Am 1. September 2026 hat in der Familienherberge Lebensweg ein neuer Abschnitt begonnen: Leon Albrecht absolviert bis zum 31. August 2029 bei uns seine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger. Drei Jahre lang wechselt er zwischen praktischer Arbeit in unserem Haus und Blockunterricht in Lichtenstein-Traifelberg. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter diesem vielseitigen Beruf und wie ist die Ausbildung aufgebaut?

Ein Beruf, der Pädagogik und Pflege verbindet

Heilerziehungspflegerinnen und Heilerziehungspfleger begleiten Menschen mit Behinderung in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen. Sie unterstützen sie dabei, ihren Alltag möglichst selbstbestimmt zu gestalten und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Dabei verbindet der Beruf pädagogische, pflegerische und soziale Aufgaben.

Wie diese Begleitung konkret aussieht, hängt immer von der einzelnen Person ab. Manchmal geht es darum, bei der Körperpflege oder beim Essen zu unterstützen. In anderen Situationen stehen Kommunikation, Bewegung, kreative Beschäftigung oder die Gestaltung des Tages im Mittelpunkt. Auch die Förderung vorhandener Fähigkeiten und das Ermutigen zu neuen Erfahrungen gehören dazu. Entscheidend ist, den Menschen nicht auf seine Erkrankung oder Behinderung zu reduzieren, sondern seine Persönlichkeit, seine Wünsche und seine Möglichkeiten wahrzunehmen.

In der Familienherberge Lebensweg ist genau diese Verbindung besonders wichtig. Unsere Gastkinder benötigen je nach Situation eine professionelle pflegerische Versorgung, gleichzeitig möchten sie ihre Ferien genießen, spielen, Neues entdecken und schöne Momente mit ihrer Familie erleben. Heilerziehungspflege bedeutet bei uns deshalb auch, feine Signale wahrzunehmen, Vertrauen aufzubauen und jedem Kind passende Möglichkeiten zur Teilhabe zu eröffnen.

Theorie und Praxis greifen ineinander

Die Ausbildung dauert drei Jahre und wird in Vollzeit absolviert. Sie verbindet Unterricht an einer Fachschule mit der praktischen Ausbildung in einer geeigneten Einrichtung. Leon besucht dafür die Fachschule für Sozialwesen, Fachrichtung Heilerziehungspflege, des Diakonischen Instituts für Soziale Berufe in Lichtenstein-Traifelberg. Seine praktische Ausbildung findet bei uns in der Familienherberge statt.

Der Unterricht ist in Blockwochen organisiert. Auf mehrere Wochen an der Schule folgen wieder längere Praxisphasen im Ausbildungsbetrieb. Das hat einen großen Vorteil: Wissen aus dem Unterricht bleibt nicht abstrakt, sondern kann im Alltag erprobt und mit echten Erfahrungen verbunden werden. Gleichzeitig bringen die Erlebnisse aus der Praxis neue Fragen mit in den nächsten Unterrichtsblock. So entsteht Schritt für Schritt ein umfassendes Verständnis für die verantwortungsvolle Arbeit mit Menschen mit Behinderung.

Vielseitige Inhalte für einen vielseitigen Beruf

So breit wie die späteren Aufgaben sind auch die Inhalte der Ausbildung. Im Unterricht beschäftigt sich Leon unter anderem mit Inklusion und Teilhabe, Entwicklung und Bildung sowie Gesundheitsfragen und Pflege. Weitere Schwerpunkte liegen auf Kommunikation, Organisation und Management.

Dabei geht es nicht nur darum, Fachwissen zu erlangen. Ebenso wichtig ist die Frage, wie Menschen respektvoll und auf Augenhöhe begleitet werden können. Auszubildende lernen, individuelle Bedürfnisse zu erkennen, vorhandene Fähigkeiten zu stärken und auch in herausfordernden Situationen überlegt zu handeln.

Auch medizinische und pflegerische Grundlagen spielen eine wichtige Rolle. Heilerziehungspflegerinnen und Heilerziehungspfleger müssen gesundheitliche Veränderungen wahrnehmen, pflegerische Maßnahmen sicher durchführen und eng mit Angehörigen sowie mit Fachkräften aus Pflege, Medizin, und Pädagogik zusammenarbeiten können.

Lernen und leben auf dem Traifelberg

Während der Unterrichtsblöcke spielt sich Leons Alltag in Lichtenstein-Traifelberg auf der Schwäbischen Alb ab. Dort liegt die Fachschule inmitten einer von weiten Wiesen und Wäldern geprägten Umgebung. Nach dem Unterricht wird die Natur gewissermaßen zum erweiterten Campus: Sie bietet viel Raum, um frische Luft zu tanken, sich zu bewegen und den Kopf wieder freizubekommen.

Pro Jahr stehen an der Fachschule 60 Ausbildungsplätze zur Verfügung. Direkt an die Schule angeschlossen ist ein Wohnheim mit insgesamt 45 Plätzen und einem Verpflegungsangebot während der Schulzeiten. Die Unterbringung vor Ort erspart lange tägliche Fahrten und schafft Raum, sich ganz auf den jeweiligen Schulblock zu konzentrieren. Gleichzeitig gehört das Zusammenleben mit anderen Auszubildenden zu dieser besonderen Zeit dazu: gemeinsam lernen, Erfahrungen austauschen und nach dem Unterricht auch einmal abschalten.

Leon kann das Wohnheim während der schulischen Abschnitte von Montag bis Freitag nutzen. Die Familienherberge Lebensweg übernimmt für Leon die Kosten des Wohnheimplatzes und beteiligt sich über die gesamte Ausbildungsdauer an den Ausbildungskosten. Damit möchten wir ihm gute Rahmenbedingungen bieten, damit er sich sowohl auf die Praxis als auch auf den schulischen Teil konzentrieren kann.

 

Praxisnah lernen in der Familienherberge

In den Praxisphasen ist Leon Teil unseres Arbeitsalltags. Unter fachlicher Anleitung lernt er, unsere Gastkinder entsprechend ihrer individuellen Bedürfnisse zu begleiten, zu fördern und zu versorgen. Dabei erlebt er auch, wie eng pflegerische und pädagogische Fachkräfte in unserem Haus zusammenarbeiten und wie wichtig der vertrauensvolle Austausch mit den Eltern ist.

Die Arbeit in der Familienherberge bietet dafür viele unterschiedliche Lernmöglichkeiten. Unsere Gastkinder bringen verschiedene Erkrankungen, Behinderungen, Fähigkeiten und Formen der Kommunikation mit. Jeder Aufenthalt ist anders: mal braucht ein Kind besonders viel Ruhe und Sicherheit, mal stehen Bewegung, Spiel oder ein Ausflug im Mittelpunkt. So lernt Leon, genau hinzuschauen, flexibel zu reagieren und seine fachlichen Kenntnisse immer auf den einzelnen Menschen abzustimmen.

Sven Reichel begleitet Leon während seiner Ausbildung in unserem Haus als Mentor und steht ihm als Ansprechpartner zur Seite. Die Praxisanleitung übernimmt Kim Bieber. Dabei lernt Leon, die Inhalte aus der Schule mit seinen Erfahrungen in der Familienherberge zu verbinden.

Eine Ausbildung mit Zukunft

Eine gute Ausbildung braucht Zeit, verlässliche Begleitung und die Bereitschaft, Wissen weiterzugeben. Für uns ist sie zugleich eine Investition in die Zukunft. Junge Menschen erhalten die Möglichkeit, einen anspruchsvollen und sinnstiftenden Beruf von Grund auf kennenzulernen. Wir in der Familienherberge können ihnen nicht nur Fachwissen vermitteln, sondern auch die Haltung, die unsere tägliche Arbeit prägt: Respekt, Achtsamkeit, Offenheit und ein ehrliches Interesse an jedem einzelnen Menschen.

Wir freuen uns sehr, Leon auf seinem Weg vom Praktikanten zum ausgebildeten Heilerziehungspfleger begleiten zu dürfen, und wünschen ihm für die kommenden drei Jahre viele wertvolle Erfahrungen und Freude am Lernen.

In einem der nächsten Beiträge stellen wir Leon persönlich vor. Dann erzählt er, warum er sich für die Heilerziehungspflege entschieden hat, was ihn an der Familienherberge begeistert und mit welchen Erwartungen er in seine Ausbildung gestartet ist.

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