Wenn ein Kind schwerstkrank ist oder mit einer Behinderung lebt, verändert das den Alltag der ganzen Familie. Arzttermine, Therapien, Pflege, Medikamente und die Sorge um das Kind prägen häufig den Tagesablauf. Eltern tragen viel Verantwortung und müssen immer wieder neu planen und reagieren.

Auch für die Geschwister verändert sich vieles. Sie erleben früh, dass ihr Bruder oder ihre Schwester mehr Unterstützung braucht und die Aufmerksamkeit der Eltern nicht immer gleich verteilt werden kann. Manche gehen sehr verständnisvoll mit dieser Situation um, helfen mit und stellen eigene Wünsche zurück. Andere reagieren vielleicht mit Traurigkeit, Wut oder Eifersucht. All diese Gefühle dürfen sein.

Umso wichtiger ist es, Geschwisterkinder immer wieder ganz bewusst in den Mittelpunkt zu stellen.

„Schattenkinder“: Wenn die eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund rücken

Im Zusammenhang mit Geschwistern von schwerstkranken Kindern oder Kindern mit einer Behinderung fällt gelegentlich der Begriff „Schattenkinder“. Er ist kein Fachbegriff und wird mitunter kritisch gesehen, weil er Kinder auf eine bestimmte Rolle reduzieren kann. Gleichzeitig macht er auf eine Situation aufmerksam, die im Familienalltag tatsächlich entstehen kann: Die Bedürfnisse der Geschwister geraten ungewollt in den Hintergrund, weil ein anderes Familienmitglied besonders viel Aufmerksamkeit und Unterstützung benötigt.

Das bedeutet nicht, dass diese Kinder grundsätzlich „im Schatten“ stehen. Viele Geschwister erleben eine enge Verbindung zu ihrem Bruder oder ihrer Schwester und wachsen mit einer Familienrealität auf, die für sie selbstverständlich ist. Trotzdem gibt es immer wieder Situationen, in denen besonders viel Rücksicht gefragt ist.

Vielleicht muss ein gemeinsamer Ausflug kurzfristig abgesagt werden. Vielleicht können Mama und Papa bei einer Schulveranstaltung nicht dabei sein, weil ein Arzttermin ansteht. Oder morgens bleibt keine Zeit für eine längere Diskussion, weil Medikamente gegeben werden müssen oder die Pflege mehr Zeit beansprucht als geplant.

Das Aufwachsen in dieser besonderen Familienkonstellation kann Einfühlungsvermögen, Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein fördern. Diese Stärken sollten jedoch nicht dazu führen, dass von Geschwisterkindern erwartet wird, immer verständnisvoll zu sein und problemlos mitzulaufen.

Auch sie möchten erzählen, was in der Schule passiert ist. Sie möchten mit Mama oder Papa spielen, einen Ausflug machen, laut sein, Freunde treffen oder einfach einmal sagen dürfen: Heute geht es um mich.

Zeit mit Mama und Papa in der Familienherberge Lebensweg - ganz ohne schlechtes Gewissen

Ungeteilte Aufmerksamkeit ist für Geschwisterkinder besonders wertvoll. Dafür braucht es keine außergewöhnlichen Erlebnisse. Ein gemeinsamer Spaziergang, ein Besuch im Schwimmbad, ein Eis in der Stadt oder ein Nachmittag nur mit Mama oder Papa können bereits etwas ganz Besonderes sein.

Im Alltag ist genau diese Zeit jedoch häufig schwer zu organisieren, denn die Betreuung eines schwerstkranken Kindes oder eines Kindes mit einer Behinderung lässt sich nicht einfach für einige Stunden unterbrechen.

In der Familienherberge Lebensweg möchten wir deshalb Freiräume für die ganze Familie schaffen. Während unser Gastkind von unserem multiprofessionellen Pflege- und Betreuungsteam liebevoll versorgt und begleitet wird, dürfen die Eltern Verantwortung abgeben. Die dadurch entstehende Zeit können sie ganz bewusst ihren anderen Kindern schenken.

Vielleicht geht es gemeinsam auf einen kleinen Ausflug. Vielleicht wird ein Einkaufsbummel gemacht, ein Spiel gespielt oder einfach in Ruhe zusammen gefrühstückt.

Entscheidend ist nicht, was unternommen wird. Entscheidend ist die Botschaft, die dabei entsteht:

Jetzt habe ich Zeit für dich.

 

Auch Geschwisterkinder brauchen ihre eigene Auszeit – dafür sorgen wir in der Familienherberge Lebensweg

Eine Auszeit muss nicht immer bedeuten, Zeit mit den Eltern zu verbringen. Manchmal tut es genauso gut, einfach das zu machen, worauf man selbst gerade Lust hat.

In der Familienherberge gehören die Geschwisterkinder selbstverständlich dazu. Je nach Wochenprogramm können sie gemeinsam mit ihrer Familie an unseren Angeboten teilnehmen, spielen, basteln, draußen unterwegs sein oder bei unserem wöchentlichen Reitangebot dabei sein.

Genauso wertvoll kann es sein, sich zurückzuziehen und eigenständig den eigenen Interessen nachzugehen. Malen, basteln, lesen, spielen oder einfach ein wenig vor sich hinträumen: Auch diese Zeiten tun gut.

Im Alltag erleben Geschwisterkinder häufig, dass sie sich an feste Abläufe anpassen und Rücksicht nehmen müssen. Während einer Auszeit darf deshalb Raum für eine andere Frage entstehen:

Was möchte ich gerade machen?

Ohne ständig auf den nächsten Termin schauen zu müssen und ohne das Gefühl, dass gerade etwas anderes wichtiger ist.

 

Einfach Kind sein dürfen

Geschwister von schwerstkranken oder behinderten Kindern kommen mitunter schon früh mit Themen in Berührung, die für andere Kinder in ihrem Alter kaum eine Rolle spielen.

Sie erleben Pflege und bekommen mit, wenn es ihrem Bruder oder ihrer Schwester nicht gut geht. Vielleicht kennen sie Krankenhausaufenthalte, medizinische Geräte oder Notfallsituationen. Oft spüren sie zudem sehr genau, wenn ihre Eltern erschöpft oder besorgt sind.

Jedes Kind geht anders mit solchen Erfahrungen um. Manche möchten darüber sprechen, andere lieber nicht. Umso wichtiger sind Momente, in denen Krankheit und Pflege einmal nicht im Mittelpunkt stehen.

Dann darf gemeinsam gelacht und getobt werden. Die Kinder können kreativ sein, Neues ausprobieren, andere Kinder kennenlernen, einen Nachmittag bei den Pferden verbringen oder einfach draußen spielen.

Denn neben ihrer besonderen Rolle innerhalb der Familie sind Geschwisterkinder vor allem eines: Kinder. Und genau das sollen sie während einer Auszeit auch sein dürfen.

Freiräume und gemeinsame Erlebnisse gehören in der Familienherberge Lebensweg zusammen

Freiräume für einzelne Familienmitglieder und gemeinsame Zeit als Familie schließen sich nicht aus. Jede Familie entscheidet selbst, wie sie ihren Aufenthalt in der Familienherberge gestalten möchte.

Manchmal verbringen Eltern und Geschwister einige Stunden miteinander, während das Gastkind von unserem Team betreut wird. An einem anderen Tag unternimmt vielleicht die ganze Familie gemeinsam etwas oder nimmt an einem unserer Angebote teil.

Gerade diese Mischung macht eine Auszeit wertvoll. Es gibt Zeit für das Gastkind, Zeit für die Eltern, Zeit für die Geschwister und natürlich gemeinsame Familienzeit. So entstehen Freiräume, ohne dass sich jemand ausgeschlossen fühlen muss.

Andere Geschwister verstehen, ohne viele Worte

Während eines Aufenthalts in der Familienherberge Lebensweg können Geschwisterkinder auch anderen Kindern begegnen, deren Familienalltag ähnlich ist. Das kann guttun, denn manche Erfahrungen müssen dann nicht lange erklärt werden: warum ein gemeinsamer Ausflug manchmal kurzfristig nicht stattfinden kann, warum zu Hause medizinische Geräte stehen oder warum Mama und Papa nachts regelmäßig aufstehen müssen.

Dabei muss keineswegs ständig über Krankheit, Behinderung oder Pflege gesprochen werden. Oft geht es einfach darum, gemeinsam zu spielen, kreativ zu sein und eine schöne Zeit zu verbringen. Gleichzeitig kann das Gefühl entstehen: Wir sind nicht die einzige Familie, deren Alltag manchmal anders aussieht.

Und mitunter entwickelt sich daraus ganz selbstverständlich eine besondere Verbindung.

Eine Auszeit für Geschwister stärkt die ganze Familie

Geschwisterkinder brauchen nicht weniger Aufmerksamkeit, nur weil sie weniger Unterstützung benötigen. Sie brauchen eine Aufmerksamkeit, die zu ihnen und ihrer eigenen Situation passt.

Eine Auszeit kann ihnen helfen, ihre Wünsche wieder bewusster wahrzunehmen, ungeteilte Zeit mit ihren Eltern zu verbringen oder einfach etwas zu tun, das ihnen Freude macht.

Davon profitieren auch die Eltern. Wenn sie wissen, dass ihr schwerstkrankes oder behindertes Kind gut versorgt ist, können sie ihre Aufmerksamkeit für einige Stunden ganz einem Geschwisterkind schenken. Dabei müssen sie nicht gleichzeitig pflegen, organisieren oder ständig auf die Uhr schauen.

Am Ende geht es genau darum, was wir uns für unsere Gastfamilien wünschen: Jedes Familienmitglied soll während des Aufenthalts etwas finden, das ihm guttut.

Für das Gastkind ist es vielleicht ein besonderes Erlebnis mit unserem Pflege- und Betreuungsteam. Für das Geschwisterkind ein Nachmittag allein mit Mama oder Papa. Für die Eltern ein ruhiges Gespräch zu zweit. Und manchmal ist es einfach ein gemeinsames Essen, bei dem niemand sofort wieder aufspringen muss.

Denn eine echte Auszeit sollte nicht nur dem pflegebedürftigen Kind oder den Eltern gehören. Sie sollte der ganzen Familie guttun.

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